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Das Büro der Zukunft: nachhaltig, gesund und grün

2017-08-19T23:06:55+00:00 Von |Arbeitsplatz, Forschung|

Wie sieht ein gesundes Büro aus? Und welchen Einfluss hat ein Gebäude auf die Menschen, die sich darin aufhalten? Wie können wir mehr Aufmerksamkeit auf die Gesundheit im Büro lenken? Über solche Fragen und mögliche Antworten veröffentlichte der World Green Building Council, der internationale Dachverband für nachhaltiges Bauen, im Jahr 2014 einen Bericht über ‚Gesundheit, Wohlbefinden und Produktivität im Büro‘. Inzwischen wurde dieser Bericht von dem niederländischen Zweig dieses Verbands in die niederländische Sprache übersetzt und bearbeitet. Das ist in den Niederlanden der Ansatz, das Thema Gesundheit in nachhaltigen Gebäuden höher auf die Agenda zu setzen. Das ist reiner Gewinn. Aber was uns angeht, hätte der Bericht ruhig noch ein wenig ‘grüner’ sein dürfen. Schließlich liegen genügend überzeugende Beweise für die positive Wirkung von Pflanzen auf unsere Gesundheit vor.

Gesundheit und Nachhaltigkeit: zwei Seiten einer Medaille

Die Gesundheit von Mitarbeitern ist ein wichtiges Thema, umso mehr, wenn man bedenkt, dass die Personalkosten 90 % der Betriebskosten eines Unternehmens ausmachen. Mitarbeiter, die sich in ihrer Arbeitsumgebung nicht wohlfühlen, sind weniger produktiv. Und das kostet Geld. Maßnahmen für die Nachhaltigkeit von Gebäuden wirken sich auch oft positiv auf die Gesundheit der Mitarbeiter aus. Aufmerksamkeit für die Gesundheit der Mitarbeiter kann ein Auslöser für Investitionen in nachhaltige und energieeffiziente Büros sein. Es lohnt sich also, beide Themen im Zusammenhang zu betrachten und auch zusammen auf die Agenda von Architekten, Erbauern und Nutzern zu setzen.

In dem Bericht ‘Gezondheid, welzijn en productiviteit in kantoren’ [Gesundheit, Wohlbefinden und Produktivität in Büros] des Dutch Green Building Council werden für verschiedene Gesundheitsbereiche Maßnahmen aufgeführt, die Büroumgebungen gesünder machen können; werden Fälle herausgegriffen und es wird erforscht, wie Gesundheit in Gebäuden messbar gemacht werden kann. Damit soll ein Rahmen für die Einrichtung eines Gebäudes geboten werden, die zur Gesundheit und zum Wohlbefinden der Mitarbeiter beiträgt und somit ihre Produktivität erhöht.

Qualität der Raumluft

Forschungen haben ergeben dass die Qualität der Raumluft einen großen Einfluss auf das Wohlbefinden und die Produktivität der Mitarbeiter hat. Ein Mangel an frischer Luft, zu viele Schadstoffe und zu hohe Konzentrationen an CO2 können zu einer Abnahme der Produktivität von 10 % führen. In den meisten Fällen verbessert eine Kombination aus natürlicher Lüftung und mechanischer Klimaregelung die Qualität der Raumluft. Auch emissionsarme Materialien und Geräte oder Produkte, die Schadstoffe absorbieren, leisten einen wichtigen Beitrag. Pflanzen und fließendes Wasser wirken sich ebenfalls günstig auf die Verringerung von Schadstoffen und Feinstaub in der Luft aus. In vielen Gebäuden werden inzwischen Grüne Wände und sogar Wasserwände installiert. Diese verbessern die Qualität der Raumluft durch die Bindung von (geruchserzeugenden) Schadstoffen und Staub. Darüber hinaus sind sie ästhetisch sehr ansprechend.

green wall in office

Wand mit Wasser und Begrünung ADAC München. Konzipiert und realisiert von Art Aqua

Thermische Behaglichkeit

Menschen, denen es zu warm oder zu kalt ist, fühlen sich nicht wohl und sind weniger leistungsfähig. Deshalb kann Aufmerksamkeit für thermische Behaglichkeit die Produktivität erheblich steigern. Darüber hinaus hat es sich als bedeutsam erwiesen, dass Mitarbeiter die Wärme in ihrer Arbeitsumgebung selbst regeln können. Mitarbeiter, die ein sehr hohes Maß an Kontrolle über ihr Raumklima (die Kombination von thermischem Raumklima und Luftqualität) erfahren, sind im Durchschnitt 6 % produktiver als Leute, die gar keine Kontrolle über ihr Raumklima zu haben glauben. Darüber hinaus sind sie mit ihrer Arbeitsumgebung zufriedener.

Das Raumklima kann durch das Öffnen von Fenstern, Sonnenschutz, Begrenzung der internen Wärmelast durch Computer und andere Geräte und gute Isolation von Wänden, Dach und Fassaden geregelt werden.

(Tages)licht

Tageslicht ist wichtig für die Gesundheit und das Wohlbefinden von Menschen. Die wichtigste Eigenschaft von Tageslicht ist der ständige Wechsel von Intensität, Richtung und Farbe. Dieser Wechsel regelt den Biorhythmus des Menschen und der beeinflusst wieder andere wichtige Prozesse wie z. B. das Hormonsystem, die Stimmung, die Aufmerksamkeit und die Körpertemperatur. Und somit auch, ob der Mensch gut oder schlecht funktioniert. Forschungen ergeben, dass schlechte Tageslichtlenkung in Kombination mit einem Mangel an Ausblick der wichtigste Faktor für Unzufriedenheit über die Lichtverhältnisse am Arbeitsplatz sowie für Ausfall wegen Krankheit sind. Besonders Fenster mit Ausblick auf eine Grünanlage, also wo eine Verbindung mit der Natur möglich ist, führen zu einer Produktivitätszunahme.

Um die Vorteile von Tageslicht das ganze Jahr über nutzen zu können, werden immer mehr innovative Regelsysteme für den Sonnenschutz und künstliches Licht (LED) eingesetzt. Dies führt wiederum zu Energievorteilen.

Akustik

Der größte Störfaktor in Büroumgebungen ist eine schlechte Akustik und das führt nachweislich zu einem Verlust an Produktivität. Darüber hinaus kann dies zu Ausfall wegen Krankheit, zur Bildung von Stresshormonen, zu verringerter Arbeitszufriedenheit und gegenseitigen Irritationen führen. Störungen durch Lärm verringern die Leistungsfähigkeit sogar noch, nachdem das Geräusch bereits abgeklungen ist. Deshalb sind eine gute akustische Gestaltung, die den verschiedenen Aktivitäten des Unternehmens angepasst ist, und die Akustik fördernde Maßnahmen wie eine dämmende Decke und dämmende Materialien, von Bedeutung.

Inneneinrichtung

Die Qualität des Umfelds hat Einfluss darauf, wie Menschen sich fühlen. Auch ein Arbeitsumfeld. Inzwischen gibt es Hinweise darauf, dass ‚das Neue Arbeiten‘ einem Unternehmen zwar finanzielle Vorteile durch Raum- und Energieeinsparungen und Flexibilität bieten, indem die Mitarbeiter orts- und zeitunabhängig arbeiten können, sich aber gleichzeitig nachteilig auf die Konzentration, die Privatsphäre, kreative Zusammenarbeit und das Vertrauen von Kollegen untereinander auswirkt. Gerade durch die ‚Personalisierung‘ des Arbeitsplatzes sind Mitarbeiter in der Lage, ihre eigene Identität zu zeigen und Stress wird verringert. Darüber hinaus führen Diversität im Arbeitsumfeld und Aufmerksamkeit für ‚aktives Büro-Design‘ zu mehr Komfort, sozialer Interaktion, Kreativität und Innovation. Orte, wo man sich entspannen oder reflektieren kann, wirken sich nachweislich positiv auf das psychische Wohlbefinden, die körperliche Gesundheit und die Produktivität aus. Natürliche Elemente in der Umgebung stellen schließlich schon in kürzester Zeit die Aufmerksamkeit wieder her und fördern prosoziales Verhalten.

Beispiele für Arbeitsumgebungen, die aus holistischer Gesundheitsperspektive entwickelt wurden, sind: A Great Place to Work oder das Healing Office Konzept von D/Dock, nach dem unter anderem das Büro von Google, Amsterdam eingerichtet wurde.

caracan in office

Büro Google Amsterdam (Herkunft Bild: D/Dock)

Das Erleben von Grünanlagen und Ausblick

Inzwischen haben viele Untersuchungen ergeben, dass (der Blick auf) die Natur sich positiv auf die Gesundheit des Menschen auswirkt. Menschen empfinden den Blick auf natürliche Elemente wie Wasser, Grünanlagen und Luft als angenehm. Es hat lange gedauert, bis solche Einsichten in Bauweisen, Architektur oder gesetzliche Vorgaben umgesetzt wurden, zum Teil aufgrund mangelnden Wissensaustausches zwischen verschiedenen Disziplinen. Aber in letzter Zeit wird, vor allem durch die Entwicklungen in der Fürsorgearchitektur, der ‚biophilen Gestaltung‘, die auf der Affinität des Menschen mit der Natur beruht, immer mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Beispiele sind das Reha- Zentrum Groot Klimmendaal in Arnheim und der große Chemo Garten des Tergooi Krankenhauses in Hilversum.

hospital green and light

Tergooi Krankenhaus Chemo Garten (Herkunft Bild: VANDERSALM-aim)

In den letzten Jahren wird auch die Verwendung von Pflanzen zur Verbesserung des Wohlbefindens von Menschen in Gebäuden immer mehr gefördert. Dies zeigt sich in der Entwicklung und Anwendung begrünter Wände und extensiver Gründächer, sowohl wegen des Ausblicks als auch zwecks Verbesserung des Lebensumfelds.

Look & Feel

Das ‘Look & Feel’ eines Büros ist nicht nur eine Frage des Geschmacks, sondern kann auch einen positiven Beitrag zu einem Gefühl des Wohlbefindens, des Komforts und der Effektivität im Arbeitsumfeld leisten. Die Empfindungen können auf individueller Ebene oder bei verschiedenen Gruppen von Arbeitnehmern und kulturellen Werten erheblich variieren. Die von dem Beratungsunternehmen Terrapin Bright Green entwickelten ‘14 Patterns of Biophilic Design’ beschreiben das Verhältnis zwischen der Natur, der menschlichen Biologie und der Gestaltung der gebauten Umwelt. Diese als Gestaltungsgrundlagen verwendeten Muster sollen Stress abbauen und zu mehr Kreativität und Klarheit des Denkens führen und somit eine Verbesserung des Wohlbefindens und der Gesundheit erzeugen.

Standort

Die Lage des Gebäudes, die Gestaltung der Umgebung und die Erreichbarkeit von Einrichtungen (zu Fuß oder mit dem Fahrrad) haben großen Einfluss auf das Erleben und Verhalten der Nutzer der Gebäude und können somit erheblich zur Leistungsfähigkeit des Unternehmens beitragen. Darüber hinaus wirken sich die Gestaltung, die Instandhaltung und das Sicherheitsgefühl auf das persönliche Erleben der öffentlichen Räume aus. Ein öffentlicher Raum mit Begrünung kann ein Treffpunkt oder ein Ort sein, an dem man sich erholen kann, stellt eine Verbindung zwischen Natur und Gebäude her und verbessert die körperliche und geistige Gesundheit der Nutzer. Dies fördert die Zusammenarbeit, Innovation und gegenseitige Anteilnahme. Eine schöne Lage bietet dem Nutzer demit einen Mehrwert. Ein interessantes Beispiel dafür ist der in Hoofddorp entworfene Park 20I20.

garden with big building on horizon

Gesundheit messbar machen

Gesundheit, Wohlbefinden und Produktivität sind zusammenhängende Begriffe, deren Messbarmachung für die Einrichtung ‚gesunder‘ Gebäude komplex ist. Viele Unternehmen wenden bereits Leistungsindikatoren an, um die Profitabilität zu analysieren und zu verbessern. Für die Überwachung der Gesundheit, des Wohlbefindens und der Produktivität können Indikatoren wie Ausfall durch Krankheit, Arbeitsmobilität, körperliche Beschwerden und damit einhergehende Kosten usw. entwickelt und mit dem Gebäude in Beziehung gesetzt werden. Es ist wesentlich, dass messbare Daten um das Erleben des Gebäudes durch die Nutzer ergänzt werden. Das ist neu und erfordert die enge Zusammenarbeit des Facilitymanagements, Personalmanagements und der Finanzabteilung von Unternehmen. Letztendlich profitieren alle von der Investition in eine gesunde, produktive Büroumgebung.

Unser Fazit: gesunde Gebäude sind nicht nur nachhaltig, sondern auch begrünt

Dieser Bericht ist in den Niederlanden der Ansatz, das Thema Gesundheit in nachhaltigen Gebäuden höher auf die Agenda zu setzen. Das ist reiner Gewinn. In dem Bericht wird ab und zu biophile Gestaltung als mögliche Lösung für Engpässe in einer Reihe von Gesundheitsbereichen erwähnt. Auch das ist ein Gewinn, genau wie das Plädoyer für mehr Wissensaustausch zwischen verschiedenen Disziplinen und die integrale Aufnahme des Themas Gesundheit und Nachhaltigkeit in die Agenda. Die beschriebenen Beispiele für gesunde niederländische Arbeitsumgebungen sind inspirierend und laden zur Fortsetzung des Konzepts ein.

Aber es scheint, als seien auch Chancen ungenutzt geblieben. Inzwischen haben viele Forschungen ergeben, dass gerade die Nutzung der Affinität von Menschen mit der Natur eine angenehme und gesunde Arbeits-, Lebens-, Pflege- und Wohnumgebung ergibt, die jedem gerecht wird. Die Verwendung natürlicher Elemente, Materialien und Muster, Ausblick auf Grünanlagen und Pflanzen in Gebäuden tragen erheblich zum Wohlbefinden und zur Gesundheit bei. Darüber hinaus wirkt sich Begrünung im, auf dem und am Gebäude positiv auf die Klimaregulierung, die Luftqualität und den Energiehaushalt des Menschen aus: wichtige Überlegungen, wenn es um Nachhaltigkeit geht. Außerdem ist die Natur eine glänzende Inspirationsquelle für zahlreiche technische Innovationen, die einen weiteren Beitrag zu nachhaltigen und gesunden Gebäuden leisten können. Und nicht zuletzt steigt der wirtschaftliche Wert eines grünen Gebäudes mit attraktiver Lage in einer begrünten Umgebung. So schneidet das Messer also von zwei Seiten.

Was uns angeht, hätten die Grundsätze der biophilen Gestaltung also die Grundlage für diesen Bericht und die Lösungsrichtung für alle beschriebenen Gesundheitsbereiche sein dürfen. Die Inspiration dazu liegt schließlich zum Greifen nah. Unter anderem in dem bahnbrechenden Werk von Stephen Kellert, in dem zitierten und anderen Berichten von Terrapin Bright Green und ganz besonders auch in dem kürzlich groß angelegten Forschungsprojekt von Human Spaces, worüber wir bereits früher geschrieben haben. In dieser neuesten Forschung wurden die Vorteile der biophilen Gestaltung, insbesondere in den Bereichen Wohlbefinden und Produktivität auf der Grundlage von Fragen, die 7600 Büromitarbeitern aus 15 Ländern gestellt wurden, unter die Lupe genommen.

Es könnte interessant sein, gerade die Befunde für die Niederlande weiter zu vertiefen, um in dieser Weise eine Agenda für ein nachhaltiges, gesundes und begrüntes Gebäude zu erzielen. Wir leisten gern einen Beitrag dazu. Schließlich gibt es noch eine Welt zu gewinnen.

Begründung

Über den Autor:

Bij Into Green ben ik web/social media redacteur en auteur. Ik richt me met name op de thema's zorg en onderwijs in relatie tot groen.

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