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Das Thema war Grün und die Tragweite groß

2017-10-05T14:17:50+00:00 Von |Anwendung, Inspiration|

Eines wurde uns klar am Morgen, an dem man uns die sechs Studien im Rahmen des Programms ‚Grüne Agenda’ von iVerde und Royal Floraholland präsentierte, nämlich die Tatsache, dass Grün Berührungspunkte mit dem ganzen Leben hat. Unsere Vorfahren haben einst in der Savanne gelebt, daher fühlen wir uns bei Grün wohl und wir erholen uns auch in einer grünen Umgebung schneller; immer mehr Städte sind bei heftigen Regenschauern überfordert und Grün bietet da großartige Lösungen; immer mehr Senioren leben länger selbstständig und Grün kann ihre Vitalität stärken. Kurz und gut, Grün macht uns sozialer, glücklicher, freundlicher, ruhiger und gesünder. Wer möchte das nicht?

Was ist die Grüne Agenda?

Um genau zu sein, ist die Grüne Agenda ein Forschungsprogramm innerhalb des Sektors Gartenbau und Ausgangsmaterialien im Rahmen des Innovationsthemas Gesundheit und Wohlbefinden sowie des Programms Grün für eine gesunde Lebensumgebung. Für die Arbeitsthemen Wohnen, Arbeit, Bildung und Erholung wurden sechs Forschungsprojekte gestartet und bis 2018 werden noch weitere folgen. Dabei geht es stets um die Beantwortung von Fragen bezüglich Gesundheit, Wohlbefinden, Verstädterung und der Rolle von Grün dabei. Am Mittwoch, den 28. Juni, durften wir an einem Treffen teilnehmen, bei dem die Forscher der ersten sechs Studien darlegten, womit sie sich befassen.

Was ist eigentlich bereits alles erwiesen?

Joop Spijker, Senior-Forscher bei Alterra im Bereich Wald, Natur und städtisches Grün, erzählte von der Studie, die er gemeinsam mit Sjerp de Vries durchführt. Sie vergleichen Ergebnisse von Fragebögen (Selbstanalyse) mit entsprechenden Studien, die sich auf das tatsächliche Verhalten beziehen. Niederländer sagen beispielsweise, ihnen sei Grün wichtig, und sie denken auch, Grün und Natur kämen der Gesundheit zugute. Doch erstens: Wie äußert sich dies im Verhalten? Und zweitens: Ist es tatsächlich so, dass Grün der Gesundheit zugutekommt? Dieses Forschungsprojekt geht nach, was bereits eingehend untersucht wurde und wo Ergebnisse unterschiedlicher Studien konsequent übereinstimmen. Die Ergebnisse dieses Forschungsprojekts kommen in eine Wissensdatenbank und pro Thema wird ein Factsheet entwickelt. Die Kernfrage lautet immer mehr: Warum fühlen sich Menschen in einer grünen Umgebung so viel besser? Joop legte allerdings auch dar, dass zu viele Studien rein auf Fragebögen und somit auf Selbstwahrnehmung basieren und dass noch zu wenig echte Daten gemessen werden. Zum Beispiel: Menschen sagen, sie fühlten sich besser, doch wird daraufhin auch ihr Blutdruck gemessen?

Wie optimiert man ein Gebiet für Gesundheit?

Robbert Snep ist als Forscher bei Alterra auf der Suche nach grünen Ökosystemen, vorzugsweise in der Stadt, und macht bestehende Studien mess- und sichtbar. Er führte das Adaptation Support Dashboard vor, ein digitales Dashboard, mit dem sich ein bestehendes Gebiet anhand von aus Forschungsdaten hervorgegangenen Empfehlungen neu gestalten lässt. Die jeweiligen Eingaben werden in eine praktische grüne Empfehlung für dieses Gebiet umgesetzt und das Dashboard zeigt anschließend auf, welchen Beitrag das Gebiet beispielsweise im Zusammenhang mit dem Klimaproblem leisten kann. Dies ist eine Art und Weise, Wissen in praktische Anwendungen umzusetzen und eine Brücke zwischen Wissen und zum Beispiel Verwaltern und Architekten zu bauen. Dieses Klima-Tool existiert bereits, doch in der aktuellen Studie möchte Robbert dem Tool unter dem Nenner ‚Grüner Gesundheits-Check’ den Aspekt Gesundheit hinzufügen. Und das ist gar nicht so einfach, denn wie rechnet man Gesundheit auf Quadratmeter oder Baumanzahl um?

Warum soll der Baum dorthin?

Jelle Hiemstra, Senior-Forscher am Universitäts- und Forschungszentrum Wageningen (WUR) im Bereich Pflanzen und Bäume, sorgte mit seiner Forschungsarbeit für eine passende Fortsetzung. Er untersucht, welche Bäume aus welchen Gründen an welchen Stellen am besten sind. Es kann allerlei Gründe geben, irgendwo einen Baum zu pflanzen, die Gesundheit kann ein Grund sein genauso wie Schatten, Lärmschutz oder Biodiversität. Er entdeckte in seiner Studie nicht nur, über wie wenig tatsächliches Wissen die Verwalter von städtischen Grünflachen verfügen, sondern auch, dass im Hinblick auf Bäume Fragen wie, warum ein Baum her soll und welcher Baum am geeignetsten ist, zu wenig gestellt werden. Alle waren der Ansicht, dass sich die Ergebnisse dieser Studie gut im Adaptation Support Dashboard verarbeiten lassen.

Grün für Grau

Die Biologin und ökologische Modelliererin Jana Verboom hat mit ihrer Studie gerade erst angefangen und in einem weitläufigen Viertel in Oisterwijk untersucht, wie viele Senioren (ab 65 Jahren) dort wohnen und wie vital sie noch sind. Aus dieser sogenannten Null-Messung ging schnell hervor, dass es zwischen Vitalität und dem Bildungs- und Wohlstandsniveau einen statistischen Zusammenhang gibt. Senioren bleiben länger vital, wenn sie ein gutes Einkommen haben und gebildet sind.

In diesem Viertel sollen nun Grünflächen und grüne Projekte entstehen, die die Bewohner zum Großteil selbst entwickeln und gestalten. Die Ideen werden in einem öffentlichen Ideenbuch bekannt gegeben. Für die Ausführung der meisten dieser grünen Ideen steht leider noch kein Budget zur Verfügung. Daher hat sich Jana an das Institut für Naturbildung und Nachhaltigkeit (IVN) gewandt, das im Rahmen seines Programms Grau, Grün & Glücklich in Zusammenarbeit mit der niederländischen Lotterie Postcode Loterij Gelder für Grünflächen für Senioren bereitstellt. In jeder Projektphase wird dieselbe, aus vitalen und weniger vitalen Senioren bestehende Gruppe bezüglich ihrer Reaktion auf die Grünfläche und deren anschließenden tatsächlichen Nutzung unter die Lupe genommen.

Grüne gesunde Krankenhäuser

Jolanda Maas ist klinische Psychologin und im VU-Krankenhaus tätig. Sie hat sich im Laufe ihrer Karriere immer mehr auf die Kombination von Grün und Gesundheit konzentriert. Das Ter-Gooi-Krankenhaus in Hilversum hat vor kurzem einen Chemogarten(-Pavillon) eröffnet, in dem Patienten ihre Chemotherapie machen können. Jolanda untersucht, ob es Unterschiede sowohl bei der Empfindung als auch bei den messbaren Aspekten gibt. Diese Untersuchung führt sie auch auf einigen Pflegestationen des Krankenhauses durch: Das eine Zimmer bietet eine Aussicht auf schöne Bäume, das andere nicht. Wie reagieren Patienten darauf? Die Befragungen kombiniert sie stets mit exakten Zahlen beispielsweise bezüglich der Schmerzmittelmenge oder der Verweildauer. Die letzte Studie, mit der sie sich befasst, läuft auch gerade an: Am Standort Blaricum wurde im Garten ein Gewächshaus errichtet und dort werden in Kürze Aktivitäten für psychiatrische Patienten organisiert. Auch hier wird Jolanda messen, ob Grün gesünder, ruhiger und/oder glücklicher macht und welche Auswirkungen dies auf die Verabreichung von Medikamenten hat.

Pflanzen sorgen für ein gesundes Raumklima

Annemieke Smit von Alterra ist Senior-Forscherin im Bereich Natur & Gesellschaft und Projektleiterin einer organisatorischen und etwas komplexen Studie. Dafür werden Unternehmen und Gesundheitsinstanzen gesucht, die einen Teil ihres Standortes begrünen und den anderen Teil nicht, denn dann kann man vergleichen. Sind Luftqualität, Luftfeuchtigkeit und CO2-Gehalt in grünen Räumen besser oder nicht? Wie fühlen sich Menschen dabei? Und anschließend: Was bringt es dem Arbeitgeber? Sind Menschen in der grünen Umgebung weniger oft krank und/oder sonst wie produktiver oder nicht? Annemieke hofft, mit dieser Studie nicht nur die Kosten, sondern auch die Vorteile von Grün aufzuweisen.

Aus Wissen wird Bares

Albert Haasnoot, der Programmmanager der Grünen Agenda, kann es nicht oft genug sagen: Diese Forschungsarbeiten sollen zu Innovation im Sektor führen und am liebsten auch in anderen, neuen Sektoren, die mit Grün für Innovation sorgen wollen. Die obenerwähnten Studien weisen die entsprechenden Qualitäten auf: die Neugestaltung von Räumen, das bewusstere Pflanzen von Bäumen in einer Stadt, die Einbeziehung von Bewohnern bei der Gestaltung von Wohnvierteln und schließlich die Messbarkeit der Vorteile von Grün im Gesundheitswesen und auf der Arbeit. Diese Forschungsarbeiten liefern Kenntnisse, mit denen sich Unternehmer an die Arbeit machen können bringen. Denn wenn es Wirkung zeigt, folgt der Markt unweigerlich.

Über den Autor:

I am chief editor and responsible for the concept of Into Green. My focus is on sustainability/cradle2cradle, new earnings models and air quality & plants.

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