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Was einem drinnen den Atem nimmt

2017-08-11T15:43:34+00:00 Von |Forschung, Wohnung|

Frühling, hereinspaziert! Der Winter ist vorbei und die Fenster können wieder sperrangelweit geöffnet werden, damit saubere Luft die etwas stickige Raumluft vertreibt. Wie bereits vermutet, tut uns dies nämlich gut. Dass die Raumluftqualität gelegentlich regelrecht alarmierende Auswirkungen auf unsere Leistungsfähigkeit hat, belegt eine aktuelle Studie der Harvard School of Public Health.

Recht beklemmend

In der Raumluft hat sich im letzten Winter ganz schön was angesammelt. Eben weil wir atmen und weil der Bodenbelag und neue Möbel in Wohn- und Arbeitsräumen ebenfalls einen unsichtbaren Beitrag leisten. Aber selbst riecht und merkt man doch nichts? Das ist es ja gerade: Es ist ein schleichender Prozess. Drinnen zu sitzen oder zu arbeiten (oder noch schlimmer: drinnen sitzend zu arbeiten) ist nicht unbedingt erheiternd. Sind wir vielleicht produktiver, da uns einladende Straßencafés nicht ablenken? Leider geht diese Rechnung nicht auf. Unsere Laune und Leistung sinken dramatisch. Wussten Sie, dass in vielen Städten die Luftqualität drinnen schlechter ist als draußen? Und zwar 5- bis 7-mal schlechter. Trotz der Zufuhr von Frischluft über Belüftungssysteme. Dass wir den Großteil unserer Zeit drinnen verbringen, kommt unserer Gesundheit nicht wirklich zugute.

Wie konnte es so weit kommen? Seit den 70ern wurden Gebäude aufgrund der steigenden Energiepreise stets luftdichter gemacht. Die Lüftung überließ man Belüftungssystemen, die mit einer gewissen Regelmäßigkeit die Luft säubern. Oder einfach im Kreis pumpen. Und das hat Konsequenzen. In den 80ern machten sich die ersten Folgen dieser sehr gut isolierten, aber anscheinend auch krankmachenden Gebäude bemerkbar. Beschwerden wie Schläfrigkeit, Reizungen, Konzentrationsschwäche, Müdigkeit und Übelkeit wurden immer häufiger mit der schlechten Qualität des Raumklimas in Zusammenhang gebracht. Diese Beschwerden bezeichnet man inzwischen als Sick-Building-Syndrom.

Investieren in saubere Raumluft lohnt sich

Wie verbessert man das Raumklima? Es dauerte nicht lange und die erste Lüftungsnorm (ASHRAE) wurde verabschiedet. Dass man mit Bauten nicht nur das Raumklima bestimmt, sondern auch die Außenumgebung beeinträchtigt, führte Anfang dieses Jahrtausends zu den umfangreicheren Green-Normen (LEED und BREEAM). Nachhaltiges Entwerfen hielt Einzug und die ersten grünen Gebäude entstanden.

Wir sind uns mittlerweile über die Gesundheitsrisiken von bedenklicher Raumluft im Klaren, ob nun für uns selbst, für Mitarbeiter, Kunden, Patienten oder Schüler. Und wir wissen, dass es sich nicht positiv auf Lernmögen und (Betriebs-)Ergebnisse auswirkt. Seltsam, dass, wie Joseph Allen von Harvard zu Recht feststellt, Investieren in ‚Luft’ oft noch als Nebensächlichkeit gilt: „Wir verbringen 90% unserer Zeit drinnen und 90% der Kosten eines Gebäudes stellen die Bewohner dar, trotzdem sind die Raumluftqualität und deren Auswirkung auf Gesundheit und Produktivität oft nur zweitrangig.“

Da jedoch konkrete Zahlen über die Folgen fehlen, initiierte Allen mit seinem Team eine Studie. Sie machten sich auf die Suche nach Fakten und Zahlen über den Zusammenhang zwischen Belüftung, der Raumluftqualität und deren Auswirkungen auf die Art und Weise, wie wir Wissen und Informationen verarbeiten, was man auch als kognitive Leistungsfähigkeit bezeichnet. Das Team untersuchte neun kognitive Funktionen bei 24 Teilnehmern. Die Teilnehmer führten ihre normalen Tätigkeiten aus und wurden dabei unterschiedlichen Raumklimabedingungen ausgesetzt, wie verschiedenen Konzentrationen an VOC und CO2. Auch die Belüftungstechniken variierten, von der gängigen Norm, über die Green-Norm bis hin zu Green+. Bei der Belüftung nach der Green-Norm wurde zudem zusätzlich frische Luft von draußen zugeführt. Die Studienergebnisse veröffentlichte man im Oktober 2015.

Raumluft: Cocktail aus VOC und CO2

VOC ist die englische Abkürzung für flüchtige organische Verbindungen, die man in vielen künstlich hergestellten Produkten antrifft. Diese Chemikalien gelangen durch Verflüchtigung in die Luft. Man kann sie riechen, zum Beispiel bei neuen Möbeln, Klebstoff oder Lufterfrischern (!). Doch sie können genauso gut geruchlos sein oder es im Laufe der Zeit werden. Obwohl es noch Jahre dauert, bis sie sich wirklich verflüchtigt haben. Tückisch ist Formaldehyd, ein Stoff, den Baumaterialien wie MDF und Spanplatten freisetzen. In hohen Konzentrationen kann er Unheil anrichten, zum Beispiel Atembeschwerden, Reizungen und Kopfschmerzen. Bei Malern, die diesem Stoff extrem ausgesetzt sind, kann es zur Malerkrankheit Organisches Psychosyndrom (OPS) führen. Die VOC-Konzentration in modernen Gebäuden ist im Allgemeinen relativ niedrig. Trotzdem gibt es immer mehr Beweise, dass bei einer fortwährenden Belastung, sogar bei geringen Konzentrationen, auch das bereits erwähnte Sick-Building-Syndrom auftreten kann.

Noch einmal zurück zur Harvard-Studie. In einem Zeitraum von zwei Wochen wurde lediglich an sechs Tagen gemessen. Die nachteiligen Folgen von VOC hatten die Forscher erwartet. Überraschend war die Wirkung des stets als relativ harmlos angesehenen CO2 (Kohlendioxid). Es zeigte sich, dass CO2 auf ganze sieben von neun gemessenen Funktionen Auswirkungen hatte. Somit sind wir mit jedem Atemzug die größten Verschmutzter in Innenräumen.

Die Top drei der auffälligsten Leistungsverbesserungen (bezüglich gängiger Belüftung) lässt mich nach Luft schnappen. Kaum zu fassen, wie viel menschliches Leistungsvermögen wir uns aufgrund der nur spärlichen Investition in frische Luft entgehen lassen. Urteilen Sie selbst:

Gewisse Innenraumbedingungen wirken sich geradezu schlecht auf unsere Leistungsfähigkeit aus. Ein gutes Belüftungssystem kann die Auswirkungen einigermaßen neutralisieren. Die Ergebnisse der Harvard-Studie zeigen, dass bereits kleine Anpassungen beim Raumklima in Bezug auf die kognitiven Leistungsfähigkeiten viel bewirken können. Sie weisen auch in die Richtung, dass ein gesundes Raumklima unsere Leistungen, unsere Lernfähigkeit und unser körperliches Wohlbefinden sogar erheblich verbessern können.

Drinnen genauso gut wie draußen?

Warten wir einfach ab, bis es neue Belüftungstechniken gibt? Nein, man kann gleich etwas unternehmen. Das Raumklima lässt sich nämlich auf eine ganz leichte und natürliche Weise beachtlich verbessern. Indem man regelmäßig die Fenster öffnet. Und wenn das nicht geht, stellt man Pflanzen in den Raum. Denn mehrere Studien belegen eindeutig, dass Pflanzen die idealen Staubfresser, Luftreiniger und Stressreduzierer sind.

potjes op de vensterbank
Bewohner einer von Studio School eingerichteten Tagesstätte ziehen selbst Pflanzen für frische Luft. Foto: Anselien School

So kann man auch drinnen gesunde Luft atmen.

Begründung

Über den Autor:

Anselien School heeft het interieurconcept "Healthy Spaces, Happy Faces" ontwikkeld. Daarin staat een natuurlijke binnenomgeving ten dienste van de mensen en hun beleving. Zodat zij tot bloei kunnen komen, zich prettiger voelen en naar beste vermogen kunnen presteren.

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