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Die faszinierende grüne Wände von Patrick Blanc

2017-08-11T17:45:23+00:00 Von |Anwendung, Inspiration|

Heutzutage sind begrünte Wände etwas ganz Normales. Jeder Innen- und Außengärtner kann sie in allen Formen und Größen liefern. Die Entwicklung ist allerdings ziemlich neu, denn vor 20 Jahren hätte noch kein Mensch daran gedacht, Pflanzen auf diese Weise vertikal wachsen zu lassen.

Die Ausarbeitung eines so neuen Konzepts wie Wandbegrünung erforderte sowohl in Bezug auf die Denkweise als auch in technischer Hinsicht in vieler Beziehung völlig neue Einsichten. Für die technische Ausführung eines solchen Gedankensprungs ist eigentlich nur jemand geeignet, der von dem Thema völlig fasziniert ist, über eine reiche Pflanzenkenntnis verfügt und gleichzeitig in der Lage ist, die Materie mit frischem Blick zu betrachten. Patrick Blanc erfüllt diese drei Eigenschaften und hat denn auch als Erster der Welt riesige Wandgärten mit dauerhafter Bepflanzung entwickelt. Er hat sogar ein Buch dazu geschrieben, das den Titel Vertikale Gärten: Die Natur in der Stadt trägt.

Der Dschungel in der Stadt

Als Patric Blanc sieben Jahre alt war, begann sein Dschungeltraum mit einem Aquarium. Alles, was darin lebte, faszinierte ihn, insbesondere die Pflanzen. Die Pflanzen wuchsen nicht nur im, sondern auch außerhalb des Aquariums, und als er das Teenageralter erreichte, hatten sie sich schon in seinem ganzen Zimmer ausgebreitet. In seinem Buch schreibt er, dass er schon früh wusste, dass sein Leben sich um die Konfrontation von freilebenden Lebewesen mit seinem eigenen Leben als an das Stadtleben gebundener Mensch drehen würde. Das Landleben liebte er genau so wenig wie Gärten, mit Ausnahme von botanischen Gärten. „Ich liebte eigentlich nur die Stadt, die Großstadt, und die ungestörtesten natürlichen Lebensräume.“

colorfull city green

Die Neuschaffung natürlicher Muster

Das Werk von Patrick Blanc ist vielen Menschen wohlbekannt, die Magie dieses Buches liegt für mich jedoch in dem Teil, in dem er zeigt, wie er natürliche Landschaften betrachtet. Von ihm inspiriert, betrachtet man die Begrünung unserer Städte und Wohnumgebungen mit anderen Augen.

In der Natur bleibt nichts unbedeckt oder ungenutzt. Pflanzen und Tiere nutzen jeden Millimeter, an dem sie überleben können und bilden dann wunderschöne Muster, oft sogar in intelligenten Kooperationsformen und in jedem Fall problemlos sowohl vertikal als auch horizontal. Gerade dieses Wissen hat er bei der Entwicklung seiner einzigartigen Vertikalbegrünung genutzt, bei der keine Erde verwendet wird sondern nur eine Art synthetischer Filz. Er weiß im Detail, welche Pflänzchen mit wenig Wasser oder wenig Licht gut gedeihen, aber auch, wie jede Pflanze sich in natürlichen Mustern zu  Kolonien entwickelt oder aber sich willkürlich ausbreitet. Diese Muster hat er soweit wie möglich in seinen Wänden neugeschaffen. Denn das ist, was er anstrebt: die Neuschaffung echter Lebensräume und Ökosysteme innerhalb der Beschränkungen einer Stadt.

Die Fotos und Beschreibungen von Landschaften in diesem Buch zeigen, mit welchen Augen er diese betrachtet, und dass sein Werk noch lange nicht das Endstadium der Entwicklung erreicht hat. Er denkt nicht nur in Wänden, sondern hat sich die Denkweise der Natur zu eigen gemacht. Wenn es nach ihm ginge, würde auch in unserer geradlinigen, kontrollierten Betonumgebung jeder einzelne Millimeter begrünt.

Er setzt tropische Dschungel in begrünte Innenwände um, aber er hat auch seine Kenntnisse über Urwälder in gemäßigteren Gebieten eingesetzt, um Wände zu schaffen, die zum Beispiel frost- oder windbeständig sein müssen. Es gibt aber auch Landschaften voller Hängepflanzen und in seinem letzten Werk erhält auch die ‚Neuschaffung‘ Gestalt.

drawing of hanging green in big building

Für wen ist dieses Buch interessant?

Man kann dieses Buch auf verschiedenen Ebenen lesen  und vor allem auch ansehen: Die Landschaften und die Art und Weise, in der er diese umgesetzt hat, sind aus ästhetischer, architektonischer oder stilistischer Sicht sehr interessant. Für diejenigen, die an Pflanzenarten interessiert sind, enthält das Buch zahlreiche detaillierte Beschreibungen von Pflanzen, die sich auch gut in die Praxis umsetzen lassen. Auch die vom ihm entwickelte Technik zur Herstellung der großen Außenwände wird äußerst detailliert beschrieben mitsamt der Herausforderungen, die manche Projekte in organisatorischer Hinsicht oder in Bezug auf die Instandhaltung darstellten.

Nach dem Lesen dieses Buches ist eine begrünte Wand kein ‚Ding‘ mehr, sondern eine Vision und eine Quest, unser beschränktes Stadt- und Innenleben in das gleiche reiche Ökosystem zu verwandeln wie dies in der unberührten Natur möglich ist.

Vertikale Gärten P. Blanc

Das Buch Vertical Gardens erschien 2008 zunächst in Französisch, wurde später ins Englische und Deutsche übersetzt und im Jahr 2012 komplett überarbeitet. Strukturell ist es ein sehr einfaches Buch: Wie alles entstand, wo er seine Inspiration erhielt und zum Abschluss einige Beispiele seiner Werke, aber damit wird man dem Buch nicht gerecht. Vertical Gardens enthält für jeden (der Pflanzen liebt) reine Magie.

Auch wenn man das Buch etwas zu teuer findet: im Internet gibt es zahlreiche Bilder und Videos dazu. Wir haben schon einmal einige ausgewählt, rechts auf der Seite und unten.

Eine kurze Einführung in die Welt und das Wissen von Patrick Blanc, Bestandteil der Chelsea Flowershow 2008.

Ein etwas längerer Film von einer halben Stunde aus dem Jahr 2003, der viel tiefer auf die Materie eingeht. Dieser Film zeigt auch sein eigenes Haus/seinen Dschungel.

Im Internet ist noch viel mehr dazu zu finden, dies sind jedoch gute Einführungen.

Über den Autor:

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